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Photovoltaik auf Freiflächen: ein Leitfaden

Freiflächen-Photovoltaik bezeichnet großflächige Solarkraftwerke, die Strom in Versorgungsmaßstab direkt ins öffentliche Netz einspeisen, zeichnen sich durch hohen Flächenbedarf und Erzeugungskapazitäten aus, wie etwa der 650 MW Energiepark Witznitz in Deutschland, und moderne Anlagen benötigen weniger als 1 Hektar pro Megawatt, mit in Deutschland etwa 20.000 Anlagen und fast 33 GW Gesamtkapazität im Betrieb.

Was bedeutet Freiflächen-Photovoltaik? Definition und Überblick

Mit Freiflächen- oder Freiland-Photovoltaik sind großflächige Solarkraftwerke gemeint, die Strom im Versorgungsmaßstab direkt ins öffentliche Netz einspeisen. Im Gegensatz zu Aufdachanlagen für Wohn- und Gewerbegebäude, die primär den lokalen Eigenverbrauch decken, übernehmen Photovoltaik-Freilandanlagen eher die Rolle konventioneller Kraftwerke. Ihr Ziel ist es, eine saubere, zuverlässige und leistungsstarke Alternative zu fossilen Brennstoffen bereitzustellen – und zwar für ganze Regionen oder Versorgungsgebiete. Die englische Bezeichnung „Utility Scale Solar“ wird daher manchmal auch mit „Solaranlagen im Versorgungsmaßstab“ übersetzt.

Zu den wesentlichen Merkmalen solch groß angelegter PV-Freiflächenanlagen zählen ein gewisser Flächenbedarf, hohe Erzeugungskapazitäten und die Anbindung an das Verteil- oder das Übertragungsnetz.

Beispiele:

  • Der Energiepark Witznitz in Sachsen, Deutschlands derzeit größter Solarpark, erstreckt sich über 500 Hektar auf einem ehemaligen Braunkohletagebau und erzeugt mit 650 Megawatt genug Strom für etwa 200.000 Haushalte.
  • Die Topaz Solar Farm in Kalifornien nimmt rund 1.900 Hektar ein und erzeugt über 550 Megawatt – genug, um etwa 160.000 kalifornische Haushalte zu versorgen.
  • Das Mammoth-Solar-Projekt in Indiana wird nach Fertigstellung die größte Freiflächen-Solaranlage der westlichen Hemisphäre sein – mit einer Fläche von 5.260 Hektar und einer Kapazität zur Versorgung von 250.000 Haushalten.

Größe und Spezifikationen von Freiflächen-Photovoltaikanlagen

Dank steigender Moduleffizienz benötigen moderne Solarparks heute weniger als 1 Hektar pro Megawatt – ein Wert, der bis 2030 auf 0,75 ha/MW sinken wird.

  • In Deutschland beginnt Photovoltaik auf Freiflächen üblicherweise mit einer Mindestkapazität von 1 MW (Megawatt).
  • In Deutschland sind derzeit knapp 20.000 PV-Freiflächenanlagen mit einer Gesamtkapazität von fast 33 GW in Betrieb. Die durchschnittliche Anlagengröße liegt bei etwa 1,5 bis 2 MW.
  • Das Verhältnis von Flächenbedarf zu Stromertrag hängt von Faktoren wie Moduleffizienz, Topografie und Montagesystem ab. Für neuere Anlagen liegt der Flächenbedarf bei unter 1 Hektar pro MW.
  • Bis 2030 wird eine weitere Steigerung der Flächeneffizienz auf etwa 0,75 ha/MW erwartet.

Arten von Freiflächen-Solarkraftwerken

Neben klassischen bodengebundenen Parks gibt es innovative Lösungen wie schwimmende Anlagen (Floating-PV), Agri-PV für Doppelnutzung und Solarzäune.

Konventionelle Solarparks

  • Bodengebundene Installation auf Freiflächen, Konversionsflächen oder Randstreifen an Verkehrswegen.
  • Flexible Ausrichtung und unkomplizierte Umsetzung.

Schwimmende Solaranlagen (Floating PV)

  • In Asien verbreitet, zunehmend auch in Europa und den USA.
  • In Deutschland auf künstlichen oder erheblich veränderten Gewässern installiert (max. 15 % der Wasserfläche, Mindestabstand zum Ufer 40 Meter).
  • Größte schwimmende Solaranlage Deutschlands entsteht auf der Cottbuser Ostsee in Brandenburg (29 MWpeak auf 16 Hektar Wasserfläche).

Agri-PV

  • Photovoltaikanlagen auf landwirtschaftlichen Flächen, die sich doppelt nutzen lassen: für Landwirtschaft und Energieerzeugung.

Moor-PV

  • PV-Anlagen auf Moorböden, die wiedervernässt werden, dienen der Renaturierung und Energieerzeugung.

Parkplatz-PV

  • Solarüberdachungen von Parkflächen und Stellplätzen gelten als Freiflächen-PV.

Hybridanlagen (Solar + Speicher)

  • Kombination von Photovoltaikmodulen mit Energiespeichersystemen (meist Batteriespeicher).
  • Vorteile für Netzstabilität und Grundlastfähigkeit.

Solarzäune

  • Bifaziale, vertikal aufgestellte Solarmodule, die beidseitig Strom produzieren.
  • Platzsparend und effizient bei niedrigem Sonnenstand.

Was gilt als Freiflächen-Photovoltaik im Versorgungsmaßstab? Klassifizierungskriterien

PV-Anlagen im Versorgungsmaßstab zeichnen sich durch ihren direkten Anschluss an das öffentliche Hoch- oder Mittelspannungsnetz aus und fungieren als dedizierte Kraftwerke.

Netzanschluss

  • Dediziertes Kraftwerk für das Stromnetz, nicht nur für Privatverbrauch.
  • Anschluss an Mittelspannungsnetz (Verteilnetz) oder Hoch-/Höchstspannungsnetz (Übertragungsnetz).
  • Erfüllung von Standards für Zuverlässigkeit, Frequenzregelung, Fernüberwachung und Betriebstransparenz.

Regulatorische Klassifizierung

  • In Deutschland durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geregelt.
  • Technische Anforderungen durch Übertragungsnetzbetreiber und regionale Verteilnetzbetreiber.

Genehmigungs- und Zulassungsverfahren

  • Umfangreichere Genehmigungsanforderungen als bei Dachanlagen.
  • Baugenehmigung nach Landesbauordnung erforderlich, meist im vereinfachten Verfahren.
  • Teil-Privilegierung entlang von Autobahnen und Schienenwegen (§ 35 BauGB).
  • Bebauungsplan und Umweltprüfungen sind zentrale Voraussetzungen.

Kostenanalyse und Wirtschaftlichkeit von Freiflächen-Photovoltaik

Mit Stromgestehungskosten von 4,1 bis 6,9 Cent/kWh ist Freiflächen-PV eine der günstigsten Energiequellen und bereits ohne Förderung durch PPA-Modelle rentabel.

Kosten von Freiflächen-Photovoltaik pro kWh

  • Stromgestehungskosten für neue PV-Freiflächenanlagen: 4,1 bis 6,9 Cent pro kWh (Fraunhofer ISE).
  • Gas-und-Dampfturbinen-Kraftwerke: 10,9 bis 18,1 Cent pro kWh.
  • Flexible Gaskraftwerke: 15,4 bis 32,6 Cent pro kWh.
  • Bis 2045 wird ein weiteres Absinken der Stromgestehungskosten auf 3,1 bis 5,0 Cent pro kWh erwartet.
  • PV-Freiflächenanlagen können sich auch ohne EEG-Förderung rechnen (PPA-Modelle).

Investitionskosten (CAPEX)

  • Wichtige Vorabkosten: Flächensicherung, Solarinfrastruktur, Installation und Bau, Netzanschluss.
  • Spezifische Investitionskosten: früher 750–840 EUR/kWp, heute oft unter 600 EUR/kWp.
  • PV-Module machen heute unter 20 % der Gesamtkosten aus (früher 80–90 %).
  • Installationskosten: 15–25 % der CAPEX.
  • Netzanschlusskosten: 5–10 % der CAPEX, können aber je nach Region variieren.
  • Netzbaumaßnahmen nach § 16 und § 17 EEG geregelt.

Betriebskosten (OPEX)

  • Relativ niedrige Betriebskosten: 1–2 % der Investitionssumme pro Jahr bzw. 10–12 EUR/kWp und Jahr.
  • Kostenpositionen: Betriebsführung, Wartung, Monitoring, Versicherung, Grünpflege.

Entwicklung von Freiflächen-Solaranlagen

Der Entwicklungsprozess besteht aus vier Kernphasen: von der Standortwahl und Machbarkeit über die Genehmigung und Finanzierung bis hin zum Bau.

Entwicklungsphasen einer PV-Freiflächenanlage

  1. 1.Standortauswahl und Machbarkeitsstudien: Geeignete Flächen identifizieren, Solarressourcen und Infrastruktur bewerten, Ertrags- und Kostenmodellierungen durchführen.
  2. 2.Genehmigung und behördliche Zulassung: Baugenehmigungen, Umweltprüfungen, Netzanschlussanträge und ggf. lokale behördliche Freigaben einholen.
  3. 3.Finanzierung und Investitionsüberlegungen: Projektfinanzierung arrangieren, Stromabnahmeverträge (PPAs) verhandeln, Kapital bereitstellen.
  4. 4.Bau und Inbetriebnahme: Solaranlage errichten, Netzanschluss fertigstellen, Systemtests durchführen, kommerziellen Betrieb aufnehmen.

Wichtige Beteiligte bei Freiflächen-Solarprojekten

  • Stromabnahmeverträge (PPAs): Verträge zwischen Betreiber und Abnehmer (z.B. Energieversorger, Unternehmen) für dauerhafte Stromlieferung.
  • Entwickler und EPC-Unternehmen: Projektentwickler sichern Grundstücke, Genehmigungen, Netzanschluss und Finanzierung. EPC-Unternehmen übernehmen Planung und Bau.
  • Finanzinstitute und Investoren: Finanzierung durch Fremd- und Eigenkapital, oft mit günstigen Kreditkonditionen bei stabilen Einnahmen.
  • Regulierungsbehörden und lokale Gemeinschaften: Behörden, Umweltprüfer und lokale Bevölkerung sind für Genehmigung und Akzeptanz entscheidend.

PV-Freiflächenanlage planen

Die Planung kombiniert technische Komponenten mit präzisen Standortanalysen zur Verschattung und Bodenbeschaffenheit.

Systemkomponenten einer Freiflächen-Photovoltaikanlage

  • PV-Module: Montiert auf Festaufständerungen oder Nachführsystemen, erzeugen Gleichstrom.
  • Wechselrichter: Wandeln Gleichstrom in Wechselstrom um.
  • Umspannwerke, Schutzrelais, Transformatoren: Gewährleisten Netzstandards für Stromqualität und Sicherheit.
  • Überwachungs- und Steuerungssysteme: Wetterstationen, Leistungsmonitore, SCADA-Systeme für optimale Energieerzeugung.

Planungsüberlegungen für den Standort

  1. 1.Flächenanalyse: Bewertung der topographischen, geologischen und rechtlichen Gegebenheiten.
  2. 2.Fundamentanalyse: Bestimmung von Rammstandorten und -tiefen.
  3. 3.Geländeanpassung und Tiefbauarbeiten: Optimale Anpassung an das Gelände zur Kostensenkung.
  4. 4.Optimales Layout und Abstände: Maximale Sonneneinstrahlung und Wartungszugang.
  5. 5.Verschattungs- und Ertragsmodellierung: Analyse von Schattenwürfen und Prognose der Energieerträge.
  6. 6.Umweltrisiken-Bewertung: Analyse von Naturgefahren und Risikobewertung für Planung und Versicherung.
  7. 7.Minderung von Umweltauswirkungen: Maßnahmen wie Wildtierpufferzonen, Erosionsschutz, Regenwassermanagement.
  8. 8.Netzintegration: Anforderungen und Kapazitäten des lokalen Netzes berücksichtigen.
  9. 9.Zukünftige Erweiterungsmöglichkeiten: Platz für spätere Erweiterungen einplanen.

Vorteile und Nutzen von Freiflächen-Photovoltaik

Neben massiver CO2-Einsparung treibt die Solarenergie die regionale Wertschöpfung voran und schafft Zehntausende Arbeitsplätze in Deutschland.

  • Im Jahr 2023 waren in der deutschen Solarenergiebranche rund 104.500 Menschen beschäftigt, was etwa ein Viertel aller Arbeitsplätze in der Erneuerbare-Energien-Branche in Deutschland ausmacht.
  • Die Solarenergie bietet deutlich mehr Arbeitsplätze als die fossile Stromerzeugung, deren Anteil an der Gesamtbeschäftigung weiter sinkt.

(Die inhaltliche Fortsetzung wurde im bereitgestellten Ausschnitt abgeschnitten.)